Gefahren der totalen Vernetzung

Stefan Middendorf sprach in der Carl-Benz-Schule über die Gefahren der totalen Vernetzung von Kindern und Jugendlichen durch Smartphones, Tablets und Co.,

Ohne Internet und ohne Mobiltelefon geht heute fast gar nichts mehr, wir leben in einer vernetzten Welt und diese Vernetzung macht das Alltagsleben in vielen Berei-chen einfacher. Für viele Erwachsene und für so gut wie alle Jugendliche und die meisten Kinder ab einem gewissen Alter läuft der Zugang zum Internet über Smartphones oder Tablets, viele von ihnen sind praktisch rund um die Uhr online. Doch was machen die Kinder und Jugendlichen da, wissen die Erwachsenen, die Eltern, die Lehrer, die Ausbilder überhaupt noch was da geht? Das dürfte nur in wenigen Ausnahmen der Fall sein, meint Stefan Middendorf vom Landeskriminalamt, der am Montagabend in der Carl-Benz-Schule vor Lehrern, Eltern und Ausbildern aufzeigte, welche Gefahren für unseren Nachwuchs im Netz lauern, Gefahren nicht nur für die seelische Entwicklung, sondern durchaus auch handfeste, strafrechtlich rele-vante Vergehen, für die im Zweifelsfall auch die Eltern haften und mit hohen Summen zur Kasse gebeten werden.


Zunächst verdeutlichte Middendorf noch einmal die im Grundsatz ja bekannte Tatsache, dass immer größere Teile unseres Lebens vom Netz erfasst werden und dass nur Weniges wirklich sicher ist vor unbefugtem Zugriff. Doch während sich Erwachsene überwiegend sinnvolle und nützliche Informationen aus dem Netz holen oder im Netz agieren, haben Kinder und Jugendliche ganz andere Präferenzen – und hier lauern Gefahren, denn 70 Prozent der Angebote im Netz sind lauf Middendorf  teil sehr gefährliche Müll, von Pornografie über Nazipropaganda und Rassenhass bis zu abscheulichen Gewaltdarstellungen, die, nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, zu dauerhaften seelischen Schädigungen führen können und die anzusehen und weiter zu verbreiten unter vielen Jugendlichen  als Mutprobe gilt, wie der Kriminalpolizist weiß. Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärte der Referent, dass alle Versuche, bestimmte Bereiche im Netz für Jugendliche zu sperren zum Scheitern verurteilt sind. Da seien die Jungendlichen immer schneller als die Erwachsenen und kaum sei eine Sperre eingerichtet, ist sie auch schon umgangen. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass das Netz nun mal international ist und wenn ein Provider seinen Sitz beispielsweise in den USA hat, ist es im wahrsten Sinn des Wortes ein Kinderspiel, die vom europäischen Medienrecht gesetzten Grenzen zu umgehen.
Neben den Gefahren für die seelische Entwicklung unserer Kinder droht bei unbekümmertem Umgang mit den Angeboten aus dem Netz auch handfeste strafrechtliche Verfolgung, vor allem im Bereich der Verletzung der Urheberrechte und des Cybermobbing. Als Beispiel, wie schnell eine solche Urheberrechtsverletzung, die gar nicht bewusst begangen wurde, sehr teuer werden kann, nannte Middendorf das beliebte Verfahren, auf Facebook nicht sein eigenes Foto preiszugeben, sondern durch eine Comic-Figur, etwa die Mickymaus, zu ersetzen, die man irgendwo herauskopiert hat. Wer das tut und dafür nicht die ausdrückliche Erlaubnis beim Urheber, in diesem Fall bei Walt Disney, eingeholt hat, kann schnell mit sehr hohen Summen belangt werden.
Auch das so genannte Cybermobbing sieht Middendorf als großes Problem, vor allem deshalb, weil es inzwischen unter Jugendlichen Teil der Normalität geworden sei. Warum werden so viele Jugendliche im Netz gemobbt?  Das kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, die häufigste aber sei schlicht Langeweile. Meist seien es Gruppen von Jugendlichen, die sich mehr oder weniger zufällig ein Opfer aussuchen, das dann gemeinschaftlich „fertig“ gemacht wird. Das Fatale dabei ist aus Sicht des Kriminalisten, dass das Cybermobbing oft sehr niederschwellig beginnt und manchmal kaum von harmlosen Neckereien zu unterscheiden ist. Hier rief Middendorf Eltern, Lehrer und Ausbilder dazu auf, sehr wachsam zu sein und schon bei geringem Verdacht zu reagieren. Dies sei auch schon deshalb sehr wichtig, weil die Opfer oft die Angriffe verschweigen, weil Hilfe zu holen „uncool“ wäre, weil sie Angst, Scham- oder Schuldgefühle haben oder weil sie zurückgeschlagen haben und so selbst zu Tätern geworden sind.


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