Inklusion an der Carl-Benz-Schule: Richard Pfund

„Seit ich an der Carl-Benz-Schule bin, fühle ich mich so gut wie noch nie“. Richard Pfund ist stark körperlich behindert. Seine Behinderung führt auch dazu, dass man ihn nur schwer versteht, wenn er spricht. Aber sein Geist ist hellwach. „Jetzt kann ich endlich zeigen, was ich drauf habe, ohne dass mich jemand nach meinem Körper beurteilt“, erzählt er und fügt hinzu, dass man ihn in Sonderschulen bisher immer nach einer Diagnose eingestuft und Lerngruppen zugeordnet habe, die nur ein sehr eingeschränktes Lernziel hatten.

 In der Carl-Benz-Schule aber habe er eine ganz andere, eine offene Einstellung ihm gegenüber erlebt. Inklusion, die Einbindung von Behinderten in den ganz normalen schulischen Alltag, ist auch für die Carl-Benz-Schule Neuland. Nach mehr als einem halben Jahr berichtet nicht nur Richard Pfund von guten Erfahrungen mit der neuen Situation. „Depressive Verstimmungen gibt es keine mehr, Richard lernt und ist kaum noch krank“ stellen auch seine Eltern erfreut fest.
Natürlich kann Richard den Schulalltag nicht ohne gezielte Betreuung bestehen. An der Carl-Benz-Schule sind dafür die Integrationshelferin Katja Wieland von der Lebenshilfe und die Sonderschullehrerin Anne Dieringer zuständig. „Richard ist das beste Beispiel, dass Inklusion im deutschen Schulsystem funktionieren kann“, meint sie und verweist darauf, dass die Teilnahme Richards am regulären Schulunterricht eine Bereicherung für alle Beteiligten, für die Lehrer, für die Schüler, für Richard und auch für sie selbst sei. Richard sei durch seine Offenheit, seinen Humor und seine Cleverness von Beginn an in die Klassengemeinschaft aufgenommen und mit Respekt behandelt worden, ergänzt Katja Wieland.


Richard in der Klassengemeinschaft

Dass dies alles so erfreulich verläuft, war anfangs alles andere als selbstverständlich. „Als die ersten Gespräche geführt wurden, konnten wir uns nicht vorstellen, wie eine solche Inklusion gestaltet werden könnte“, räumt Falk Hartmann ein, der in der Schulleitung zuständig ist für den Bereich Gewerbeschule. Schließlich aber wurde doch ein tragfähiges Konzept entwickelt. „Es war für uns alle ein Lernprozess und wir sind froh, Richard in diesem Schuljahr an unserer Schule  und ihm bei seinem Weg zu seinen angestrebten Zielen unterstützt zu haben“, resümiert er heute.
Das spiegelt in gewisser Weise auch die Haltung der Lehrer, als sie erfuhren, dass Richard mit seinen erheblichen körperlichen Behinderungen in die Klasse aufgenommen werden soll. Grundsätzlich war eine große Offenheit vorhanden, in die sich aber auch Skepsis mischte. „Mal sehen“. Gespannte Neugier, aber auch Zweifel: „Wie soll das gehen? Muss ich meinen Unterricht umstellen? Werde ich den anderen Schülern gerecht?“. Das alles hat sich aber weitgehend in Luft aufgelöst. „Da Richard eher den Eindruck macht, als ob er gut zurecht kommt, kümmere ich mich eher um andere Schüler. Er hat ja auch seine Betreuung dabei und schreibt gute Noten“, meint einer der Lehrer und bestätigt Richard, dass er aus dem Unterricht nicht nur alles heraus holt, was er kann, sondern auch, dass er mit seinem Umfeld, das ihm manchmal mit Unsicherheit begegnet, sehr nachsichtig umgeht. „Würde er nicht so cool damit umgehen, wäre die Inklusion bestimmt schwieriger.“


Richard in der Werkstatt

Nicht sehr viel anders ergeht es den Klassenkameraden Richards. Er wird ganz einfach als Mitglied der Klassengemeinschaft akzeptiert, auch wenn es ein Mitglied ist, das nicht alles im gleichen Umfang mitmachen kann wie die anderen. Aber er will dazu gehören und auch weil er als sympathisch und offen erlebt wird, gehört er für seine Mitschüler auch dazu. „Ich finde es gut, dass Richard ein Ziel vor Augen hat und trotz seiner Einschränkungen die schulischen Anforderungen gut meistert“, meint ein Klassenkamerad.
Bei so viel positiver Resonanz befürwortet auch das Arbeitsamt, das Richards Inklusion begleitet, eine Fortsetzung des Projekts. Der für Richard zuständige Betreuer Hansjörg Ibach macht auch darauf aufmerksam, dass es bei Inklusionsprojekten immer auf den Einzelfall ankommt. Er verdeutlicht dies mit einem Zitat des Dichters George Bernard Shaw: „Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passen auch heute noch“.



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