Mittel für Lernfabrik 4.0 zugesagt

Ministerium für Finanzen und Wirtschaft unterstützt die kreiseigene Carl-Benz-Schule Gaggenau mit 337400 Euro

Besser kann eine Woche gar nicht beginnen: Am Montag hat ein siebenköpfiges Lehrerteam der Gaggenauer Carl-Benz-Schule für ihr innovatives Unterrichtsprojekt "Willkommen Heimat 2.0" einen Sonderpreis bei der Vergabe des Deutschen Lehrerpreises erhalten. Und gestern erhielt die kreiseigene Bildungseinrichtung die erhoffte Zusage des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft, die Einrichtung einer Lernfabrik 4.0 zu fördern.


Über knapp 338000 Euro Fördermittel kann sich die Schule freuen. Sie ist damit eine von insgesamt 15 Schulen im Land, die in den Genuss einer Förderung kommen. 28 Einrichtungen hatten sich beworben. Um Fach- und Nachwuchskräfte auf die Anforderungen von Industrie 4.0 vorzubereiten, unterstützt das Stuttgarter Finanz- und Wirtschaftsministerium die Einrichtung von Lernfabriken an beruflichen Schulen mit insgesamt 6,5 Millionen Euro.

"Die Früchte unserer Arbeit können wir nun ernten", freut sich Schulleiter Volker Bachura über die erfolgreiche Bewerbung. "Als hätten wir's geahnt" seien schon die ehemaligen Physik- und Chemiesäle auf eine Umwandlung vorbereitet worden. Dort sollen ein Grundlagenlabor und die Lernfabrik mit zwei Robotern eingerichtet werden, an denen die Schüler die Dimension von Industrie 4.0 praktisch erlernen und erproben können. "Dort werden verschiedene Maschinenfunktionen verknüpft - vom Bohren bis hin zur Robotik", erklärt Bachura. "Eine Fabrik im Kleinen." Ergänzt werden soll das Angebot mit einem fahrbaren Roboter, der die fertigen Bauteile über den Flur ins Klassenzimmer nebenan bringt.

Im Konzept habe wohl "die Breite unserer Aufstellung überzeugt", sagt Bachura, der eine Kooperation mit weiteren kreiseigenen Schulen anstrebt. "So eine Lernfabrik für insgesamt rund 900000 Euro muss brummen", verdeutlicht der Schulleiter die Investition, von der auch kleinere und mittelständische Unternehmen profitieren sollen. Die Lernfabriken sollen Anregungen zur Umsetzung für typische Prozesse von Industrie 4.0 bieten und das Thema sowie seine Bedeutung noch bekannter machen. Neben der beruflichen Bildung soll das Vorhaben von den Industriebetrieben der Wirtschaftsregion Mittelbaden für die betriebliche Weiterbildung genutzt werden, hieß es kürzlich im Ausschuss für Schulen und Kultur des Landkreises Rastatt, der die Bewerbung der Carl-Benz-Schule gebilligt und sich optimistisch gezeigt hatte, dass die Berufsschule zum Zuge kommt. Zu recht, wie sich nun zeigt: Die Lernfabriken sollen bis Herbst des kommenden Jahres in elf Regionen im ganzen Land verteilt entstehen - und eben auch in Gaggenau.

Die Gesamtkosten der Lernfabrik summieren sich laut Landkreisverwaltung auf 812500 Euro. Das Land sagte eine Förderung von gut 338000 Euro zu; beim Landkreis verbleibt damit ein Anteil von rund 385000 Euro. Zum Teil stammt das Geld aus dem Schulbudget der Carl-Benz-Schule (135000 Euro). Der Rest von 250000 Euro soll aus zusätzlichen Projektmitteln fließen. An der Finanzierung beteiligen sich Unternehmen der Wirtschaftsregion und weitere Organisationen. Spendenzusagen von Daimler AG, Werk Gaggenau und Rastatt, Steinbeis-Academy, IG-Metall, Festo, Volksbank-Stiftung, Protectorwerk, Siemens, Mayr-Melnhof, Fritz Automation und ARKU über 89750 Euro liegen dem Landkreis vor. SAP Walldorf bietet darüber hinaus ein Softwarepaket im Wert von etwa 250000 Euro an.

"Mit den 15 Lernfabriken gewinnt Baden-Württemberg ein weiteres Alleinstellungsmerkmal im internationalen Wettbewerb. Industrie 4.0 wird vor allem die Arbeitsbedingungen nachhaltig verändern", wird Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) in einer Pressemitteilung zitiert. "Auf diese Entwicklungen müssen wir die Fachkräfte von morgen und die Beschäftigten vorbereiten. Wegen der komplexen Abläufe bei Industrie-4.0-Prozessen ist es wichtig, die Fachkräfte in möglichst praxisnahen Lernumgebungen aus- und weiterzubilden." Die Lernfabrik sei ein ideales Instrument dafür. Auch hier sei Baden-Württemberg Vorreiter. "In keinem anderen Bundesland gibt es vergleichbare flächendeckende Projekte", so Schmid.

Über den Erfolg der Carl-Benz-Schule freuen sich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek und SPD-Landtagsabgeordneter Ernst Kopp, die sich für die Förderung stark gemacht haben. "Für unsere Region ist dieses Bildungsangebot ein großer Gewinn. Wir beglückwünschen die Schule zu ihrer erfolgreichen Bewerbung und freuen uns über den Erfolg der gemeinsamen Anstrengungen."

Quelle: BT vom 02.12.2015 


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