Projekt zur Flüchtlingsintegration der Carl-Benz-Schule Gaggenau beim „Deutscher Lehrerpreis 2015“ gewürdigt

Einen Sonderpreis beim Wettbewerb „Deutscher Lehrerpreis 2015“ in der Kategorie „Unterricht innovativ“ hat die Carl-Benz-Schule Gaggenau mit ihrer Jahrgangsstufe „VABO“ (Vorqualifizierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse) gewonnen. Die Auszeichnung fand gestern in Berlin statt. Initiatoren des Wettbewerbs sind die Vodafone Stiftung Deutschland und der Deutsche Philologenverband.

Damit gehört die Carl-Benz-Schule, die in Trägerschaft des Landkreises Rastatt steht, zu den sechs Lehrerteams in ganz Deutschland, die „für herausragende pädagogische Leistungen“, so die Mitteilung der Initiatoren, gestern in der Kategorie „Unterricht innovativ“ einen Preis erhielten. Die Verleihung nahm in festlichem Rahmen der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Udo Michallik, vor, so die Mitteilung der Initiatoren.

Speziell für ihr Projekt „Willkommen Heimat 2.0“ wurde die Carl-Benz-Schule mit dem Sonderpreis des Cornelsen Verlags bedacht. Die Schüler dieses Projekts – es sind Flüchtlinge und Spätaussiedler – haben aus Metall den Schriftzug „Willkommen“ in verschiedenen Sprachen modelliert. Das Ergebnis wird im Eingangsbereich der Schule gezeigt. Zudem wird der Begriff „Heimat“ im fächerübergreifenden Projektunterricht reflektiert.



Das Projektteam der Schule besteht aus den Lehrkräften Anne Dieringer, Wolfram Frietsch, Sebastian Haak, Katharina Heiderich, Philipp Henzler, Sascha Löschner und Manfred Schönthaler. In der Jahrgangsstufe „VABO“ geht es um den Fachverbund Deutsch, Gesellschaftskunde, Sport, Ethik und Werkstatt. In dem Gutachten heißt es: „Willkommen Heimat 2.0 ist eine großartige Idee zur Integration von Flüchtlingen und Ausländer/innen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren. Durch den fächerverbindenden Unterricht, der von sieben Lehrkräften im Team praktiziert wird, entstanden vielfältige Entwicklungsprozesse.“

Die Ausgangsvoraussetzung des Projekts: Die Schüler der „VABO“ sind jugendliche Flüchtlinge und Spätaussiedler. Sie mussten ihre Heimat verlassen, um hier eine neue zu finden; dieser Prozess ist bekanntlich mit Herausforderungen und Schwierigkeiten verbunden, zu denen auch die Sprachbarrieren zählen. Das fächerübergreifende Projekt „Willkommen Heimat 2.0“ nahm diese Situation auf und wollte die Schüler zugleich auf ihrem Weg begleiten.



Während die Teilnehmer im Projektunterricht ihre Vorstellung von Heimat reflektierten, modulierten sie im Werkstattunterricht aus Metall den Begriff „Willkommen“ – in ihrer eigenen Sprache und in den Sprachen der anderen Schüler der Carl-Benz-Schule. Im Fach Kunst gestalteten sie einen Torbogen, der den Übergang zwischen neuer und alter Heimat symbolisiert. Im Sportunterricht wurden Spiele aus den verschiedenen Heimatländern vorgestellt und gemeinsam gespielt.

Ziel des Werkstattunterrichts war es, im Verbund mit Deutsch, Gemeinschaftskunde und Ethik das gemeinsam in verschiedenen Sprachen gestaltete „Willkommen“ im Eingangsbereich der Schule anzubringen. „Jeder, der die Schule betritt, ist somit Teil der multilingualen und globalen Willkommenskultur der Schule“, heißt es dazu in den Projektunterlagen.


Das Besondere sei, dass sich das Projekt an der speziellen Situation der Schüler orientiert: Im Spannungsverhältnis zwischen alter Heimat und einer Heimat 2.0. „Dies wahrzunehmen und zu reflektieren, stand im Mittelpunkt des Projekts.“ Die Motivation habe darin bestanden, gestalterisch zu sein, den Unterricht als Chance zu erleben und selbst kreativ, eigenständig und eigenverantwortlich im Umgang mit Materialien und Mitschülern tätig zu werden. Dabei bildeten die Gruppenarbeit und kooperative Lernsituationen die Basis.

Als größter Gewinn für die Schüler wird gesehen, dass sie sich durch den reflektierten Heimatbegriff verbunden mit einer Willkommenskultur ihrer eigenen Situation besser bewusst werden konnten. Darüber hinaus haben sie sich wertvolle handwerkliche Fähigkeiten angeeignet. 

Quelle: BNN vom 01.12.2015


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