„VABO“ sammelt Spenden für Flüchtlinge

Unterricht der Multi-Nationen-Klasse der Carl-Benz-Schule gilt jetzt schon als Erfolgsprojekt

Text der BNN vom 28.02.2015

Die wahrhaftige Multi-Kulti-Klasse der Carl-Benz-Schule hatte gestern ihren großen Auftritt: Sie präsentierte die Spenden der Bevölkerung, die an Bewohner von Flüchtlingsheimen in Gaggenau und Gernsbach weitergegeben werden, im Zentrum eine ganze Flotte von gebrauchten Fahrrädern, die von den Schülern aus vieler Herren Länder im Rahmen des Werkstattunterrichts wieder in einen gebrauchsfähigen Zustand versetzt wurden.

Schüler? Sie gehören der „Vabo-Klasse“ der berufsbildenden Schule an (Vorabqualifizierung Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse) und sind, wie ihre Lehrerin Katharina Heiderich sagt, voll bei der Sache. Gaggenaus OB Christof Florus findet das Projekt ganz toll und gratuliert der Schar von Jugendlichen, verbunden mit weiteren aufmunternden Worten.



Im Klassenraum der Carl-Benz-Schule sind weitere bekannte Gesichter auszumachen, das Ehepaar Koch etwa, sonst voll engagiert bei der Gaggenauer Tafel, Norbert Lais, ehemaliger Realschulrektor, oder Friedebert Keck, der stellvertretende Bürgermeister der Nachbarstadt Gernsbach. In dortigen Unterkünften wohnende Flüchtlinge kommen auch in den Genuss der vielen Sachspenden der Bevölkerung.

Eine Auswahl davon liegt auf einem langen Tisch an einer Wand des Klassenzimmers: Spielzeug, darunter etliche Plüschtiere, Bücher, „Lernkästen“ für bestimmte Schulfächer, ein Fahrradhelm. Von diesem Kopfschutz bräuchte man mehr, sagt ein Sprecher der SMV, dann könne man auch eine Art „Fahrradführerschein“ organisieren. Gefragt sind auch so genannte Schulsachen.

Im Übrigen sei man von der Spendenbereitschaft der Bevölkerung überwältigt, mitunter hätte diese die Kapazität der Vabo-Klasse überfordert („wir hatten schon an die 50 Fahrräder hier“). Die spezielle Klasse ist sehr diszipliniert und lernwillig, sagt Martina Vetter, Lehrerin und „Sprachwunder“ der Schule, sie beherrscht Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch, Arabisch und Persisch.

Angesichts der Zusammensetzung der Klasse ein Segen. Die Jugendlichen kommen aus Estland, Syrien, Rumänien, Venezuela, um nur einige Nationalitäten zu nennen. Der (Vor-)Bildungsstand ist sehr unterschiedlich, sagt Martina Vetter – eine Herausforderung für die Lehrer. Je nach Möglichkeit und Kenntnisstand der deutschen Sprache können Jugendliche an andere Schulen vermittelt werden, nicht selten an weiterführende Bildungsstätten.

Unterstützung für die Jugendlichen kommt aus vielen Ecken. Vereine engagieren sich, Mitglieder des Mehrgenerationentreffs, oder eben Lehrer im Ruhestand, wie Norbert Lais. Inzwischen, so Martina Vetter, hat sich eine richtige Klassengemeinschaft herausgebildet, obwohl die Fluktuation durch häufiger eintreffende Neuankömmlinge recht hoch sei. Bei alledem sehr angenehm: es gibt keine sozialen Konflikte in dieser Multi-Kulti-Gemeinschaft.

 


Zurück zur Übersicht