Die Stadt Gaggenau

1288 wird die Siedlung "Gackenauwe" zum ersten Mal urkundlich genannt. Im Badischen General-Landesarchiv in Karlsruhe befindet sich ein längliches Pergament, worin Markgraf Rudolf die Landaufteilung um die Stadt Baden bis in das Murgtal mit seinem Bruder Hermann bestätigt.

Um 1350 stehen nur einige schindel- oder strohgedeckte Bauernhäuslein und Fischerhütten entlang der Murg. Fast jährlich werden diese Niederungen überschwemmt. Einige Siedler mehr, haben sich auf dem heutigen Häuselsberg niedergelassen. Damals nannte sich das Ort "Außer-Michelbach".

1387 verkaufte Graf Wolf von Eberstein drei Viertel von Ottenau an den Markgrafen von Baden. Vier Generationen mussten die Einwohner damit leben, dass nur ebersteinische Untertanen und markgräfliche unter sich selbst nur Verträge abschließen und heiraten. Zweimal im Jahr müssen alle Bürger um Rotenfels ihre Abgaben in Form von Münzen, Fleisch, Getreide, Wein und Stroh leisten. Bei einem Sterbefall war das beste Vieh im Stall oder das beste Kleid abzugeben. Bei einem Wegzug, falls er überhaupt genehmigt wurde, musste eine bestimmte Summe an Münzen bezahlt werden.

1530 sind alle Fahnen und Heiligebilder aus der Kirche herausgenommen worden, denn die neue christliche Lehre von Martin Luther wird in Rotenfels eingeführt. Schon zwei Jahre später kam der katholische Pfarrer zurück, der wiederum nur kurze Zeit predigen konnte, weil der Markgraf alles reformieren ließ. Bis zum Ende des 30jährigen Krieges ist den Untertanen achtmal der Konfessionswechsel befohlen worden.

1658 ist Gaggenau ein kleines Dorf mit 25 Häuslein. Der Reichste im Ort besaß zwei Pferde, zwei Ochsen, drei Kühe und zwei Schweine.

1691 kam wieder Kriegselend über das Land. Fast alle Häuser zwischen Rotenfels und Ottenau wurden am 25. November ein Raub der Flammen. Der Markgraf Ludwig Wilhelm kämpfte in dieser Zeit in Ungarn erfolgreich gegen die Türkenfeinde.

1758 wurde Anton Rindeschwender zum Oberschultheißen ernannt. Handel und Wirtschaft, des seinerzeit etwa 500 Einwohner zählenden Dorfes Gaggenau, blühte auf. So holte er unter anderem im Jahr 1772 einen Glashüttenbetrieb vom heute eingemeindeten Stadtteil Mittelberg nach Gaggenau. Die von Rindeschwender erbaute Glashüttensiedlung mit ihren schmucken, unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäusern, erinnert noch heute an seine für die damalige Zeit bedeutende Industrieschöpfung. Auf dem Areal der Glashütte stehen jetzt die Eisenwerke, deren Anfänge nunmehr dreihundert Jahre zurückliegen.

1858 zählte Gaggenau 1239 Einwohner. Große Steinhauerbetriebe prägten das Dorfbild, dieses Handwerk war zu dieser Zeit eine gute Verdienstquelle. Mit Pferdetransporten wurden behauene Sandsteinblöcke bis Freiburg und nördlich bis Mannheim geliefert.

Bereits 1893 baute man in den früher hier ansässigen Bergmannschen Industriewerken die ersten Autos im Murgtal. Aus jener Firma ging die Süddeutsche Automobilfabrik hervor, die 1910 von Benz in Mannheim erworben wurde. Benz vereinigte sich schließlich 1926 mit Daimler. Vier Jahre zuvor waren die ersten Diesel-Lastwagen der Welt im Gaggenauer Benz-Werk konstruiert und erprobt worden. Heute zählt man bei DaimlerChrysler im Werk Gaggenau und Getriebewerkteil Rastatt nahezu 7000 Mitarbeiter.

1970 bis 1975 waren Jahre von großer Bedeutung für die weitere Entfaltung der Stadt, die sich bereits 1935 mit Ottenau vereinigt hatte. In diesen Zeit wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Rotenfels, Selbach, Freiolsheim, Oberweier, Sulzbach, Hörden und Michelbach eingegliedert. Die Luftaufnahme (rechts) zeigt Gaggenau im Jahre 1958. Zur "Großen Kreisstadt" wurde sie 1971 ernannt und erhielt damit neue Perspektiven.

Heute zählt die Stadt rund 30 000 Einwohner und verfügt über nahezu 6 500 Hektar Gemarkungsfläche: Die Gemeindereform bewirkte einen Anstieg der Bevölkerungszahl auf mehr als das Doppelte und eine flächenmäßige Ausdehnung auf gut das Fünffache.

Quelle: Archiv Carl-Benz-Schule und Historisches von Gaggenau ... aus den Schriften "Bilder aus der Geschichte von Gaggenau" und "Erinnerungen an Gaggenau"